Obwohl blind geboren....

Einige (Vor)Worte zum Erwachen des Sehsinns........

In einigen Artikeln steht z.B., dass ich erst mit 6 Jahren angefangen habe zu sehen usw. Die erste Operation war, als ich neun Monate alt war, sonst hätte ich nicht so malen können. Wenn zuerst auch alles ganz unscharf, konnte ich besonders gut Farben sehen. Hier ein Foto, was beweist, dass ich meine Hand betrachte als ich ca 14 Monate alt war.

Eigentlich hatte das Schicksal für mich eine eingeschränktere Wahrnehmung vorgesehen.

Meine angeborene Blindheit wurde – damals noch unvollständig – im Alter von 9 Monaten korrigiert. (Zitat eines Augenoperateurs im Jahre 1998: „So operiert man heute nicht mehr“) Wie es schien, konnte ich bald danach Gegenstände schemenhaft sehen, aber vor allen Dingen: Farben! – Es folgten im Laufe meines Lebens noch weitere sechs Operationen. Das Glück, Farben zu sehen, gab mir die Zuversicht, den Sehsinn nicht mehr zu verlieren.

Als ich als kleiner Knirps endlich meinen ersten Malkasten in den Händen hielt und ihn öffnete, kam mir dieser wunderbare Wachsmalkreiden-Geruch entgegen und zusammen mit dem Anblick dieser Farbharmonie, die mich mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl überwältigte, begann ich Farben mit Formen zu kombinieren.

Vor allen Dingen interessierte es mich, wie Farben reagieren, wenn ich sie auf dem Papier durch Übereinandermalen mischte. Ich sprach oft von „Gedanken-Erfindungen“, denn was „Phantasie“ bedeutet, war mir nicht bewusst, eher hatte ich eine Vorstellung von dem Begriff „Erfindung“.

Deshalb waren wohl meine sogenannten Kinderzeichnungen als solche nicht typisch.


Frühe Begegnung mit Tinguelys Zeichenmaschine

 

Meine ständigen kindlichen Experimente, zusammen mit meinem intensiven Wissensdurst, veranlassten meine Eltern, mich in dieser Richtung zu unterstützen.
Zu meinem 5. Geburtstag bekam ich ein weiteres wunderbares Geschenk: Ein Mikroskop!
Durch die Tatsache, dass mein Vater Leo Weisse als „Stand und Starfotograf“ arbeitete, war es einleuchtend, er hatte immer den Blick für Wesentliches, dass er diesen ersten Moment meiner Erweiterung des Sehsinns fotografisch dokumentierte und es ihm gelang, meinen Ausdruck größter Hingabe und meinen Enthusiasmus festzuhalten.

 

Durch viele Versuche mit diesem neuen Gerät entdeckte ich das Phänomen der Schärfe.
Doch bald erkannte ich, dass diese erste Schärfe nur eine Illusion ist, denn die Ränder wurden
bei weiterer Vergrößerung zackig, fransig oder faserig.
Trotz meiner 5 Jahre war mir schnell klar, dass bei weiterer Bildauflösung jede noch so glatte
Abgrenzung irgendwann ungleichmäßig und strukturiert erscheinen wird.


Die Einsicht, dass es in der Realität keine absolute scharfe und gradlinige Grenze gibt, brachte
mich dazu, eine idealisierte „Grenzlinie“ zu erfinden, die bei noch so fortgeschrittener
Vergrößerung niemals Ungleichmäßigkeiten aufweisen würde. Mein Wille, scharf sehen zu
können, spürte ich in diesem Moment intensiv. Durch aufwendige Sehhilfen bin ich in der
Lage - lesen und schreiben, malen und zeichnen, Roboter-Skulpturen bauen und kinetische
Farbmodelle konstruieren zu können.

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